· Nathalie

Wie viel Wasser solltest du beim Wandern trinken?

Ein Edelstahlbrunnen unter einem Felsvorsprung oberhalb von Breil/Brigels in Graubünden, im Hintergrund schneegestreifte Gipfel

Keine feste Menge pro Stunde. Wovon dein Wasserbedarf wirklich abhängt, warum zu viel trinken gefährlich ist, und wie bekannte Nachfüllstellen bestimmen, wie viel du überhaupt tragen musst.

Wie viel Wasser du beim Wandern trinken solltest, ist keine feste Literzahl pro Stunde. Es ist so viel, wie dein Durst verlangt, unter den Bedingungen, in denen du tatsächlich unterwegs bist.

Diese Antwort ist unbefriedigender als “ein Liter alle zwei Stunden”, und sie ist die, die durch Daten gedeckt ist. Die Leitlinien der Wilderness Medical Society empfehlen, während der Belastung nach Durst zu trinken, und halten fest, dass keine feste Trinkmenge nachweislich vor dem grössten Risiko des Zuviel schützt.

In der Frage steckt eine zweite, und die verändert dein Rucksackgewicht. Wie viel du trinkst und wie viel du trägst, ist nicht dasselbe. Wenn du weisst, wo die nächste verlässliche Wasserstelle liegt, trägst du deutlich weniger davon mit dir herum.

Wie viel Wasser brauchst du beim Wandern wirklich?

So viel, dass du keinen Durst hast, und nicht mehr. Der Bedarf schwankt zwischen Menschen und zwischen Tagen zu stark, als dass eine allgemeine Zahl nützlich wäre.

Als grobe Planungsgrösse trinken viele Erwachsene rund 0,4 bis 0,8 Liter pro Stunde gemässigtes Wandern. Das ist eine Spanne zum Planen, kein Ziel zum Abarbeiten. Auf einer kurzen, kühlen Runde ist sehr wenig völlig normal. Bei einem langen Aufstieg in der Augusthitze liegen die Verluste weit über dem oberen Ende.

Was die Zahl wirklich bewegt: Körpergrösse, Schweissrate, Tempo, Höhenmeter, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Sonne, Wind, Kleidung, Rucksackgewicht, Hitzeanpassung und Dauer. Die Distanz steht ganz unten auf dieser Liste. 12 flache Kilometer im Schatten entlang eines Flusses sind ein anderer Tag als 12 Kilometer einen offenen Südhang hinauf, und deine Flasche merkt das.

Zusammengefasst: Eine richtige Literzahl pro Stunde gibt es nicht. Plane bei gemässigten Bedingungen mit 0,4 bis 0,8 l/h und überlass den Rest dem Durst und den Verhältnissen.

Verändert das Wetter, wie viel Wasser du brauchst?

Ja, und zwar stärker als die Distanz. Hitze, Luftfeuchtigkeit und direkte Sonne bestimmen zusammen, wie hart dein Körper für die Kühlung arbeiten muss. Deshalb sagt die Temperatur allein sehr wenig aus.

BedingungenErwarteter BedarfWie du planst
Kühl, einfaches GeländeGeringNach Durst trinken, keine besondere Planung
MildMittelTrinken nach Bedarf
Heiss und sonnigHochWasserstellen vor dem Start prüfen
Heiss und schwülHochSchweiss verdunstet schlecht, die Kühlung ist bei gleicher Temperatur schwächer
Starker WindUnterschiedlichSchweiss trocknet schnell, du merkst den Verlust weniger
KaltUnterschiedlichDurst ist gedämpft, über die Atmung verlierst du trotzdem Wasser
HöheOft höherMehr Anstrengung, mehr Verlust über die Atmung
Steiler AufstiegHöherDauerbelastung, mehr Schweiss

Die 2024 aktualisierten WMS-Leitlinien zu Hitzeerkrankungen verwenden die Feuchtkugeltemperatur als bevorzugtes Mass für Hitzebelastung, gerade weil sie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung in einer Zahl zusammenfasst. Die Lufttemperatur allein lässt zwei Drittel des Bildes weg. Dieselben Leitlinien halten fest, wie Hitzeanpassung funktioniert: 1 bis 2 Stunden Belastung in der Hitze pro Tag über mindestens 7 Tage bringen den grössten Teil der Anpassung. Deshalb fühlt sich der erste heisse Tag im Jahr so viel schlimmer an als der zehnte.

Zusammengefasst: Plane nach Hitze, Luftfeuchtigkeit, Sonne und Höhenmetern, nicht nach Kilometern. Dieselbe Route braucht im Juni und im Oktober völlig unterschiedlich viel Wasser.

Soll ich vor dem Start viel trinken?

Nein. Starte normal hydriert, nicht überhydriert.

Die Vorstellung hält sich hartnäckig, man könne vorher auftanken und das Wasser für später einlagern. Das geht nicht. Deine Nieren scheiden den Überschuss aus, und was bleibt, ist ein voller Magen in der ersten Stunde. Wenn du am Ausgangspunkt Durst hast, trink. Wenn nicht, zwing dich nicht.

Das ist relevanter, als es klingt. Die WMS-Leitlinien nennen übermässige Flüssigkeitsaufnahme direkt vor, während oder kurz nach der Belastung als einen Beitrag zur belastungsinduzierten Hyponatriämie. Vorher literweise trinken ist einer der Wege dorthin, ohne dass es jemand merkt.

Zusammengefasst: Iss und trink vorher normal. Es gibt keinen Wasservorrat anzulegen, und Zwang erhöht das Risiko, statt zu schützen.

Wie oft solltest du unterwegs trinken?

Wenn du Durst hast. Ob du dabei ständig kleine Schlucke nimmst oder alle 45 bis 60 Minuten richtig trinkst, ist eine Frage der Bequemlichkeit, nicht der Physiologie.

Zwei Radfahrende stehen mit ihren Fahrrädern am Rand einer Waldstrasse und trinken aus ihren FlaschenEine Trinkpause ist eine praktische Gewohnheit, keine physiologische Regel. Es zählt die Gesamtmenge, nicht der Abstand.

Durst ist ein besserer Massstab, als die meisten erwarten. In einer Studie von 2021 zu Belastung in der Hitze stieg das Durstempfinden zuverlässig mit zunehmender Dehydrierung, und zwar unabhängig davon, ob die Teilnehmenden korrekte Angaben über ihre eigenen Flüssigkeitsverluste bekamen. Das Signal folgte dem tatsächlichen Zustand, nicht dem, was die Leute darüber glaubten.

Starre Pläne können sogar schaden. In einer doppelblinden Laufbandstudie von 2016 mit 20 Studierenden schnitt die Gruppe, die frei trinken durfte, besser ab, mit längerer Laufdauer und höherem Tempo, als die Gruppe mit vorgeschriebenen 900 Millilitern im 15-Minuten-Takt. Die Autoren führen das auf die Magendehnung durch mehr Flüssigkeit zurück, als der Körper verlangt hat.

Ein bewusster Stopp pro Stunde ist also völlig in Ordnung, wenn er dir passt. Physiologisch überlegen ist er nicht.

Zusammengefasst: Trink, wenn du Durst hast. Regelmässige Trinkpausen sind eine bequeme Routine, keine Regel, und ein erzwungener Trinkplan kann schlechter sein als gar keiner.

Ist eine Trinkblase schlechter als eine Flasche?

Physiologisch nicht. Ein Schlauch mit Mundstück bringt das Wasser genauso gut in deinen Körper wie eine Flasche, und im technischen Gelände ist Trinken ohne Stehenbleiben ein echter Vorteil.

Ein Messingrohr in einem Granitblock, aus dem klares Wasser läuft, in Muralto bei Locarno im TessinBrunnen in Muralto bei Locarno im Tessin. Woraus du trinkst, ändert nichts daran, was hineinkommt.

Der Unterschied liegt im Verhalten. Ein Mundstück auf Schulterhöhe verleitet dazu, zu trinken, ohne sich je dafür zu entscheiden, und ohne Gefühl dafür, wie viel schon weg ist. Die Blase versteckt zusätzlich den Füllstand, deshalb überrascht sie in beide Richtungen: halb leer, obwohl du sie für voll gehalten hast, oder zwei Liter weg ohne Erinnerung daran.

Wenn du aus Gewohnheit statt aus Durst nuckelst, hilft eine Flasche, weil du den Rest siehst und jeder Schluck eine kleine Entscheidung ist. Wenn du das Trinken aufschiebst, weil Anhalten nervt, hilft die Blase. Entscheide nach deinem tatsächlichen Verhalten, nicht nach Testberichten.

Zusammengefasst: Für den Wasserhaushalt ist keines besser. Die Blase macht Trinken leicht und unbewusst, die Flasche sichtbar und bewusst. Wähle den Fehler, den du nicht machst.

Kannst du beim Wandern zu viel Wasser trinken?

Ja, und dieser Teil fehlt in den meisten Wandertipps. Wer mehr trinkt, als der Körper ausscheiden kann, verdünnt das Natrium im Blut. Das Ergebnis heisst belastungsinduzierte Hyponatriämie und ist definiert als Natriumkonzentration unter 135 mmol/l.

Der Mechanismus ist einfach. Mit dem Schweiss verlierst du Wasser und Natrium. Du trinkst weiter, überwiegend Wasser. Die Zufuhr übersteigt, was die Nieren abführen können, das Natrium im Blut sinkt, und Wasser wandert in die Zellen, auch in die des Gehirns. In schweren Fällen entsteht ein Hirnödem.

Gefährlich wird das unterwegs, weil die frühen Zeichen wie normale Müdigkeit oder Dehydrierung aussehen:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • aufgeschwemmtes Gefühl, enge Ringe oder Schuhe
  • Schwäche und Erschöpfung
  • Verwirrtheit und verändertes Bewusstsein
  • in schweren Fällen Krampfanfälle und Koma

Die Zusammenfassung der WMS-Empfehlungen durch die American Academy of Family Physicians ist beim Hauptrisikofaktor deutlich: über längere Zeit zu viel Flüssigkeit. Das betrifft nicht nur Extremsport. Dokumentiert ist es auch bei Wandernden, unter anderem im Grand Canyon, nicht nur bei Marathonleuten.

Für einen Text übers Trinken ist vor allem der Reflex wichtig, den das bricht. Wenn es dir unterwegs schlecht geht, heisst das nicht automatisch “mehr trinken”. Wenn du seit Stunden gleichmässig trinkst, dich aufgeschwemmt fühlst und Kopfschmerzen hast, ist mehr Wasser womöglich genau die falsche Antwort.

Sicherheit: Der Wasserhaushalt kann in beide Richtungen kippen. Zu wenig führt zu Dehydrierung und begünstigt Hitzeerkrankungen. Zu viel kann eine belastungsinduzierte Hyponatriämie auslösen, einen potenziell lebensbedrohlichen Abfall des Natriums im Blut. Bei Verwirrtheit, wiederholtem Erbrechen, verändertem Bewusstsein, Krampfanfällen oder Kollaps: Aktivität abbrechen und medizinische Hilfe holen. Dieser Text ist allgemeine Information und keine individuelle medizinische Beratung.

Zusammengefasst: Zu viel trinken ist ein reales, gelegentlich tödliches Risiko, keine Theorie. Die Hauptursache ist dauerhaft überhöhte Zufuhr, und die frühen Symptome sehen aus wie Dehydrierung.

Helfen Elektrolyte?

Manchmal, und magisch sind sie nicht. Elektrolyte, vor allem Natrium, sind am Flüssigkeitshaushalt, an der Nervenleitung und an der Muskelfunktion beteiligt. Einen Teil des ausgeschwitzten Natriums zu ersetzen, ergibt an langen, heissen Tagen also Sinn.

Interessant werden sie, wenn du viele Stunden unterwegs bist, stark schwitzt, in echter Hitze läufst oder etwas wirklich Langes und Hartes machst. Für eine normale Wanderung von zwei oder drei Stunden bei normalem Wetter braucht es kein eigenes Elektrolytprodukt, solange du normal isst. Salziges Essen erledigt dasselbe.

Wichtig ist, was sie nicht können. Elektrolyte machen Wasser nicht “hydrierender”, und vor allem machen sie zu viel trinken nicht sicher. Die WMS-Empfehlungen halten ausdrücklich fest, dass Natriumzufuhr eine belastungsinduzierte Hyponatriämie nicht verhindert und dass auch elektrolythaltige Getränke im Übermass das Natrium im Blut verdünnen. Ein Sportgetränk besteht grösstenteils aus Wasser, und genau so behandelt es dein Körper.

Zusammengefasst: Sinnvoll an langen, heissen, schweissreichen Tagen, unnötig auf der kurzen Runde, und nie eine Erlaubnis, mehr zu trinken als nötig.

Wie viel Wasser solltest du mitnehmen?

So viel, wie du für die längste Strecke ohne verlässliche Wasserstelle brauchst, plus Reserve. Nicht so viel wie für den ganzen Tag.

Das ist die Rechnung, die deinen Rucksack tatsächlich verändert, und die meisten machen sie falsch, weil sie bei der Gesamtdauer anfangen. Rechne andersherum:

  1. Schätze, wie viel du unter den erwarteten Bedingungen pro Stunde trinkst.
  2. Finde die längste Lücke zwischen verlässlichen Wasserstellen auf deiner Route.
  3. Trag diese Lücke plus eine Reserve dafür, dass der Tag heisser, langsamer oder länger wird als geplant.

Ein hölzerner Dorfbrunnen läuft in einen Trog, daneben stehen eine blaue und eine pinke Trinkflasche, in Mannried bei ZweisimmenDer Mätteli-Brunnen in Mannried bei Zweisimmen im Berner Oberland. Zwei Flaschen, eine bekannte Wasserstelle, und mehrere Kilo, die du nicht trägst.

Ein Rechenbeispiel. Sechs Stunden Gehen bei rund 0,5 Litern pro Stunde ergeben etwa 3 Liter. Alle 3 Liter von Anfang an zu tragen, kostet dich 3 Kilo. Wenn auf halber Strecke eine sichere Wasserstelle liegt, ist die längste trockene Etappe aber nur 3 Stunden lang, du brauchst also rund 1,5 Liter plus Reserve. Sagen wir 2 Liter. Ein Kilo gespart, bei gleicher Trinkmenge.

An dieser Ersparnis hängt das Wort “verlässlich”. Eine saisonale Quelle Ende August oder ein abgestellter Brunnen macht aus dem cleveren Plan ein Problem. Genau hier zählt, den Zustand einer Wasserstelle zu kennen und nicht nur ihre Position. Unser Guide zu Wasserstellen entlang des CDT geht tiefer auf die Planung um lange Lücken herum ein, wo eine falsche Annahme deutlich mehr kostet als ein Kilo.

Zusammengefasst: Trag die längste Lücke plus Reserve, nicht den ganzen Tag. Wer die längste trockene Etappe halbiert, halbiert ungefähr das Wasser auf dem Rücken.

Was droply dabei macht

droply kartiert Wasserstellen und hält ihren Zustand aktuell, damit die Lücken auf deiner Route vor dem Start bekannt sind. Das ist die Eingabe, von der die Rechnung oben abhängt.

Vor dem Start lädst du deine Route und schaust, wo die Wasserstellen liegen. Interessant ist nicht die Gesamtzahl, sondern das Muster: wo die langen trockenen Abschnitte sind und wo du nachfüllen kannst. Die Frage ist dann nicht mehr “wie viele Liter brauche ich für diese Wanderung”, sondern “wie viel brauche ich zwischen zwei Wasserstellen”.

Ein Wasserhahn an einem Holzpfosten mit grünem Trinkwasser-Piktogramm, am Weg bei Golinhac im Aveyron in FrankreichEin beschilderter Trinkwasserhahn bei Golinhac im Aveyron, Frankreich, an der Via Podiensis. Jemand ist hier vorbeigekommen, hat es eingetragen, und die Leute dahinter mussten nicht mehr raten.

Unterwegs ist droply für die Momente, in denen der Plan sich ändert: es wird heisser als angesagt, der Tag zieht sich, du verlängerst die Route, oder du bist einfach knapper dran als gedacht und willst wissen, was vor dir liegt. Es funktioniert offline, und genau in diesem Zustand stellen sich diese Fragen meistens. Was sonst noch auf dein Handy gehört, steht in unserer Übersicht der Wander-Apps.

Aktuell sind die Wasserstellen nur, weil Leute im Vorbeigehen sagen, ob Wasser lief. Ein Check-in reicht, und die nächste Person steht nicht vor einem trockenen Hahn.

Zusammengefasst: Zu wissen, wo du nachfüllen kannst, macht aus Wasser eine Planungsgrösse statt einer festen Last. Das ist das ganze Argument.

Gilt das auch in der Stadt?

Ja, es ist dasselbe Problem in anderen Schuhen. Ein Tag zu Fuss durch eine fremde Stadt sind schnell 15 Kilometer auf heissem Asphalt mit einer Tasche auf dem Rücken, und fast niemand plant dafür Wasser ein.

Jemand füllt an einem öffentlichen Trinkbrunnen im Stadtpark eine Flasche auf, daneben lehnt ein Skateboard am SteinDasselbe Prinzip in der Stadt: Wer den nächsten öffentlichen Brunnen kennt, trägt eine Flasche statt drei gekaufte.

In vielen Städten gibt es weit mehr öffentliches Trinkwasser, als Besuchende ahnen, und die ganze Schwierigkeit besteht darin, es zu finden. Wer weiss, wo der nächste Brunnen steht, trägt eine Flasche statt drei zu kaufen. Wer auf einem Stadtspaziergang nachfüllt, macht genau dasselbe wie jemand an Tag 40 einer langen Tour, nur kleiner.

Zusammengefasst: Heisser Asphalt und ein ganzer Tag zu Fuss stellen dieselben Anforderungen wie ein Wanderweg. Nachfüllstellen funktionieren gleich.

Kann man nach der Wanderung nachtrinken?

Teilweise. Verluste lassen sich hinterher ausgleichen, aber absichtlich auszutrocknen und es später zu reparieren, ist ein schlechter Plan, weil die Rechnung während der Tour anfällt, wenn du funktionieren musst.

Für normale Erholung nach einem normalen Tag: nach Durst trinken, über die folgenden Stunden verteilt statt alles auf einmal, normal essen, und nach viel Schwitzen etwas Salziges dazu. Natrium zusammen mit Flüssigkeit hilft dir, das Getrunkene zu behalten, statt es direkt wieder auszuscheiden.

Kipp nicht sofort nach der Rückkehr eine riesige Menge reines Wasser hinunter. Eine deutliche Dehydrierung braucht Stunden, keine einzelne Flasche, und grosse Mengen reines Wasser kurz nach der Belastung sind genau eine der Situationen, vor denen die Hyponatriämie-Empfehlungen warnen.

Zusammengefasst: Gleich langsam aus, mit Essen und Salz, über Stunden. Eine riesige Flasche nach der Tour ist weder nötig noch harmlos.

Warum bekommst du beim Wandern Kopfschmerzen?

Weil unterwegs sehr verschiedene Dinge Kopfschmerzen auslösen, und Dehydrierung nur eines davon ist. Jeden Wanderkopfschmerz mit einem Liter Wasser zu beantworten, ist geraten, und manchmal falsch.

Die realistische Liste:

  • Dehydrierung, meist zusammen mit echtem Durst und einer langen Strecke ohne Trinken.
  • Hitzeerschöpfung. Die WMS-Leitlinien zu Hitzeerkrankungen nennen Schwäche, Erschöpfung, Durst, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Muskelschmerzen als typisches Bild.
  • Zu viel trinken. Kopfschmerz ist auch ein frühes Zeichen der belastungsinduzierten Hyponatriämie, und deshalb zählt der Reflex.
  • Höhe. Kopfschmerz ist das Leitsymptom der akuten Bergkrankheit, und der tritt an normalen Alpentagen auf, nicht nur auf Expeditionen.
  • Zu wenig gegessen. Lange Anstrengung mit zu wenig Essen macht Kopfschmerzen und Müdigkeit.
  • Sonne, besonders auf einer Route ohne Schatten.
  • Koffeinentzug, wenn aus deinen zwei Tassen Kaffee plötzlich keine wurde.
  • Die Anstrengung selbst, und schlicht zu wenig Schlaf in der Nacht davor.

Nützlich ist deshalb, das ganze Bild anzuschauen. Wie lange ist das Essen her. Wie viel hast du tatsächlich getrunken. Wie viel Schatten hattest du. Wie hoch bist du, und wie schnell bist du hochgekommen. Reagiere darauf und nicht auf die Vermutung.

Zusammengefasst: Kopfschmerz beim Wandern ist nicht automatisch Dehydrierung. Prüf Essen, Hitze, Höhe, Sonne und deine bisherige Trinkmenge, bevor du nachschüttest.

Manchmal ist mehr als Wasser im Brunnen

Ab und zu enthält eine Wasserstelle etwas anderes als Wasser. Das schönste Beispiel, das uns begegnet ist, steht oberhalb von Elm im Kanton Glarus, am Ende des ELMER Citro Quellenwegs.

Ein Holzfassbrunnen voller grüner Elmer-Citro-Flaschen, die im laufenden Wasser kühlen, oberhalb von Elm im GlarnerlandDer Elmer Citro Brunnen oberhalb von Elm, Kanton Glarus. Quellwasser läuft weiterhin in den Trog, es hat nur Gesellschaft bekommen.

Elmer Citro wird seit 1927 mit Mineralwasser aus einer Quelle bei Elm hergestellt, und das Dorf hat einen kurzen Weg um die Quellen herum angelegt, die es speisen. Die Routenbeschreibung der Schweizer Wanderwege nennt 4,4 Kilometer Rundweg mit rund 200 Höhenmetern und fünf Informationstafeln unterwegs. Oben wird der Brunnen an Werktagen mit Citroflaschen aufgefüllt, die im Quellwasser kühlen, mit einem Schild “Alle haben ein ELMER Citro verdient” und einem QR-Code, über den Wandernde melden können, wenn der Trog leer ist.

Als Trinkstrategie schlagen wir Limonade nicht vor. Es ist eine gute Erinnerung daran, dass eine Wasserstelle ein realer Ort mit Geschichte ist und die Karte nicht der Punkt. Der Punkt ist, was jemand tatsächlich vorfindet, wenn er ankommt.

Zusammengefasst: Ein Brunnen ist ein Ort, kein Datenpunkt. Manchmal liegen Limonadenflaschen darin.

Kurze Checkliste

Vor dem Start

  • Normal hydriert losgehen. Keine grossen Mengen erzwingen.
  • Wetter prüfen, besonders Hitze, Luftfeuchtigkeit und Sonne.
  • Anschauen, wo die Wasserstellen entlang der Route liegen.
  • Die längste Strecke ohne verlässliche Wasserstelle bestimmen.

Unterwegs

  • Nach Durst trinken.
  • Bewusste Pausen sind gut, feste Trinkpläne nicht nötig.
  • Ständiges Nuckeln ist nicht mehr Flüssigkeit, nur schwerer zu überblicken.
  • Mehr trinken, wenn Hitze und Aufstieg es verlangen.

Was du trägst

  • Verbrauch für die Bedingungen abschätzen.
  • Die längste Lücke plus Reserve tragen, nicht den ganzen Tag.
  • Eine Wasserstelle nur als verlässlich behandeln, wenn es einen Grund dafür gibt.
  • Den Zustand der Wasserstellen in droply prüfen und für die nächste Person ein Check-in hinterlassen.

Danach

  • Verluste über die folgenden Stunden ausgleichen.
  • Normal essen, nach viel Schwitzen etwas Salziges dazu.
  • Einen harten Tag nicht mit einer riesigen Flasche reinem Wasser reparieren.

Häufige Fragen

Wie viel Wasser sollte ich pro Stunde Wandern trinken?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Als grobe Planungsgrösse trinken viele Erwachsene bei gemässigten Bedingungen etwa 0,4 bis 0,8 Liter pro Stunde. Das ist eine Spanne zum Planen, kein Ziel zum Abarbeiten. Die Wildnismedizin empfiehlt, nach Durst zu trinken statt nach fester Menge, weil sich das an Hitze, Tempo und deine eigene Physiologie anpasst.

Soll ich vor dem Wandern viel Wasser trinken?

Nein. Starte normal hydriert, also iss und trink wie sonst auch und trink etwas, wenn du Durst hast. Grosse Mengen kurz vor dem Start bauen keinen Vorrat auf. Du läufst damit vor allem mit vollem Magen los, und zu viel Flüssigkeit kurz vor oder während der Belastung ist ein Risikofaktor für eine belastungsinduzierte Hyponatriämie.

Kann man beim Wandern zu viel Wasser trinken?

Ja. Wer mehr trinkt, als der Körper ausscheiden kann, verdünnt das Natrium im Blut. Das ist die belastungsinduzierte Hyponatriämie, definiert als Natriumkonzentration unter 135 mmol/l. Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, aufgeschwemmte Finger und Verwirrtheit, in schweren Fällen Krampfanfälle und Koma. Der wichtigste Risikofaktor ist dauerhaft zu viel Flüssigkeit.

Verhindern Elektrolytgetränke eine Hyponatriämie?

Nein. Sport- und Elektrolytgetränke bestehen grösstenteils aus Wasser, und im Übermass verdünnen sie das Natrium im Blut genauso wie reines Wasser. Elektrolyte sind an langen, heissen, schweissreichen Tagen sinnvoll, aber sie sind kein Freibrief, mehr zu trinken als nötig.

Ist eine Trinkblase schlecht für den Wasserhaushalt?

Nein. Am Trinkschlauch ist physiologisch nichts falsch. Der Unterschied ist das Verhalten: Ein Mundstück auf Schulterhöhe verleitet dazu, ständig zu nuckeln, ohne zu merken, wie viel schon weg ist. Wenn dir das bekannt vorkommt, machen eine Flasche und bewusste Trinkpausen deine Menge sichtbar.

Wie viel Wasser sollte ich beim Wandern mitnehmen?

So viel, wie du für die längste Strecke ohne verlässliche Wasserstelle brauchst, plus Reserve. Nicht so viel wie für den ganzen Tag. Bei einer sechsstündigen Wanderung mit einer sicheren Wasserstelle auf halber Strecke ist das ungefähr die Hälfte. Prüf die Wasserstellen entlang deiner Route vorher, denn ein trockener Hahn macht aus dem Plan eine Notlage.

Warum bekomme ich beim Wandern Kopfschmerzen?

Dehydrierung ist eine mögliche Ursache, aber nicht die einzige. Hitzeerschöpfung, Höhe, zu wenig Essen, Sonne, Anstrengung, schlechter Schlaf und Koffeinentzug lösen unterwegs ebenfalls Kopfschmerzen aus, und zu viel Wasser auch. Schau dir die ganze Situation an, bevor du einen Liter nachschüttest.

Quellen

Die Fotos in diesem Artikel stammen von droply-Wandernden: Breil/Brigels (Graubünden), Mannried bei Zweisimmen (Berner Oberland), Muralto bei Locarno (Tessin), Elm (Glarus) und Golinhac (Aveyron, Frankreich).

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Wasser sollte ich pro Stunde Wandern trinken?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Als grobe Planungsgrösse trinken viele Erwachsene bei gemässigten Bedingungen etwa 0,4 bis 0,8 Liter pro Stunde. Das ist eine Spanne zum Planen, kein Ziel zum Abarbeiten. Die Wildnismedizin empfiehlt, nach Durst zu trinken statt nach fester Menge, weil sich das an Hitze, Tempo und deine eigene Physiologie anpasst.

Soll ich vor dem Wandern viel Wasser trinken?

Nein. Starte normal hydriert, also iss und trink wie sonst auch und trink etwas, wenn du Durst hast. Grosse Mengen kurz vor dem Start bauen keinen Vorrat auf. Du läufst damit vor allem mit vollem Magen los, und zu viel Flüssigkeit kurz vor oder während der Belastung ist ein Risikofaktor für eine belastungsinduzierte Hyponatriämie.

Kann man beim Wandern zu viel Wasser trinken?

Ja. Wer mehr trinkt, als der Körper ausscheiden kann, verdünnt das Natrium im Blut. Das ist die belastungsinduzierte Hyponatriämie, definiert als Natriumkonzentration unter 135 mmol/l. Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, aufgeschwemmte Finger und Verwirrtheit, in schweren Fällen Krampfanfälle und Koma. Der wichtigste Risikofaktor ist dauerhaft zu viel Flüssigkeit.

Verhindern Elektrolytgetränke eine Hyponatriämie?

Nein. Sport- und Elektrolytgetränke bestehen grösstenteils aus Wasser, und im Übermass verdünnen sie das Natrium im Blut genauso wie reines Wasser. Elektrolyte sind an langen, heissen, schweissreichen Tagen sinnvoll, aber sie sind kein Freibrief, mehr zu trinken als nötig.

Ist eine Trinkblase schlecht für den Wasserhaushalt?

Nein. Am Trinkschlauch ist physiologisch nichts falsch. Der Unterschied ist das Verhalten: Ein Mundstück auf Schulterhöhe verleitet dazu, ständig zu nuckeln, ohne zu merken, wie viel schon weg ist. Wenn dir das bekannt vorkommt, machen eine Flasche und bewusste Trinkpausen deine Menge sichtbar.

Wie viel Wasser sollte ich beim Wandern mitnehmen?

So viel, wie du für die längste Strecke ohne verlässliche Wasserstelle brauchst, plus Reserve. Nicht so viel wie für den ganzen Tag. Bei einer sechsstündigen Wanderung mit einer sicheren Wasserstelle auf halber Strecke ist das ungefähr die Hälfte. Prüf die Wasserstellen entlang deiner Route vorher, denn ein trockener Hahn macht aus dem Plan eine Notlage.

Warum bekomme ich beim Wandern Kopfschmerzen?

Dehydrierung ist eine mögliche Ursache, aber nicht die einzige. Hitzeerschöpfung, Höhe, zu wenig Essen, Sonne, Anstrengung, schlechter Schlaf und Koffeinentzug lösen unterwegs ebenfalls Kopfschmerzen aus, und zu viel Wasser auch. Schau dir die ganze Situation an, bevor du einen Liter nachschüttest.

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Portrait of Nathalie Von Nathalie · Co-Founder & Product Designer, droply

CDT (2024) & PCT (2018) thru-hiker · Co-founder & product designer, droply

Nathalie co-founded droply and designs its UI and UX. A passionate ultralight hiker who thru-hiked the CDT in 2024 and the PCT in 2018, she's always happy to carry less water, and to photograph a beautiful fountain along the way.

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